Mit dem Rad in Asien · Reise

Mit dem Rad durch Asien [Teil 3]

Alles fing an mit einer absurden Idee, die das Resultat von zu viel Langeweile und ein paar kalten Bier war. Warum nicht mal ein Land angucken, ohne von Turi-Bussen, Hotels, City-Guides und allem anderen Kommerz abhängig zu sein? Warum nicht einfach mal komplett selber entscheiden was man in einem Land sehen möchte und völlig unabhängig von anderen, seine Ziele und Wege aussuchen?

 

Genau das dachte ich mir auch und habe angefangen Lösungen zu finden. Zu Fuß? Zu langsam – eigenes Auto? Zu teuer – Trempen? Zu abhängig – Fahrrad? Perfekt!

Um auf dem Laufenden zu sein, empfehle ich die vorherigen Teile gelesen zu haben.

Die Cameron Highlands

In den Cameron Highlands angekommen, suchten wir uns erstmal ein nettes Hotel um uns von den Strapazen zu erholen. Da wir an einem Freitag angekommen sind und gefühlt halb Kuala Lumpur dieselbe Idee hatte, war es schwerer als gedacht. Nach vielen Absagen an den Rezeptionen hatten wir nach gut einer Stunde doch Glück und haben noch ein Zweierzimmer gefunden. Die nächsten drei Tage haben wir auf der bis zu 2400 Meter hohen Gebirgskette verbracht und touristisch gesehen alles mitgenommen, was angeboten wurden. Wir haben einen großen aber düsteren Wasserfall in einem dichten Wald besucht, wir haben den höchsten Berg des Festlandes Malaysias bestiegen, eine Motorradtour in die herumliegenden Städte gemacht und Erdbeeren gepflückt. Natürlich haben wir auch die wahrscheinlich größte Attraktion der Highlands besucht: die Teefelder.

 

 

 

Der Weg nach Ipoh

Nach den drei aufregenden Tagen in den Cameron Highlands haben wir uns wir unserer Fahrräder in einem Hotel abgestellt und haben einen Bus zum Taman Negara National Park gemacht, das ist aber eine Geschichte für einen anderen Beitrag. Von den Cameron Highlands haben wir uns am Ende langsam auf den Weg nach Ipoh, der nächst größten Stadt, nördlich der Highlands gemacht. Entgegen unserer Erwartungen ging die Straße nicht direkt bergab, nachdem wir unser Dorf verlassen haben. Die ersten 10 bis 20 Kilometer hatten noch weitere Anstiege in sich, die uns bis auf eine Höhe von 1900 Meter getrieben haben und unseren Zeitplan für die Abfahrt sehr versetzt hat. Nachdem wir den höchsten Punkt der Straße überwunden haben, von wo aus es nur noch bergab ging bis wir das Tal erreicht haben, hat die Sonne schon langsam begonnen unterzugehen. Strecken mäßig hatten wir aber nicht mal ein Drittel der Strecke bis nach Ipoh zurückgelegt. Wie es auch nicht anders hätte kommen können wurden wir wieder von einem Einheimischen angehalten und es wurde uns Hilfe angeboten. Ein älterer Herr den wir liebevoll Papa genannt haben, hat auf seinem Motorrad neben uns gehalten und uns gebeten in seinem Scheinwerfer zu fahren, da unsere Lampen die wir am Fahrrad getragen haben nicht hell und sicher auf den schmalen Schikanen mitten im Regenwald gewesen wären. Die Hilfe haben wir gerne angenommen und daraufhin die nächste Stunde, mittlerweile im dunklen, das helle Scheinwerfer Licht von Papa genossen.

 

Nun erstmal ein bisschen mehr zur Person “Papa”. Er war ein einfacher älterer Herr mit vielen Falten im Gesicht und einem heruntergekommenen Moped in dem er hunderte Blumensträuße mit sich herumträgt. Sein Englisch war deutlich über dem Durchschnitt der Malaien, also ziemlich gut verständlich. Da all seine Klamotten ein wenig heruntergekommen waren, da er Blumen auf einem rostigen Moped verkauft hat und da er nur noch die Hälfte seiner Zähne hatte, waren wir ihm zu Beginn etwas misstrauisch gegenüber. Nachdem er angeboten hat unsere Taschen in seinem Moped unterzubringen, damit wir schneller fahren können haben wir natürlich abgelehnt, später hat sich aber herausgestellt, dass jegliche Vorurteile Papa gegenüber völlig ungerechtfertigt waren.

Für eine ziemlich lange Zeit haben wir uns nun die schmale Gebirgsstraße herunter geschlängelt. Die Bremsen waren durch das ununterbrochene benutzen fast abgenutzt und sind sehr heiß gelaufen. Auch die Konzentration ließ langsam nach, doch dann kam wiedermal unsere Rettung von einem unglaublich hilfsbereiten Malaien. Ein Mann im mittleren Alter, der über das Wochenende mit seinem ca. 7 Jahre alten Sohn in den Cameron Highlands war, wurde von Papa überredet, unsere Räder auf die Ladefläche seines Pickups zu verstauen und uns in seinem Truck bis nach Ipoh zu fahren. Das hat er auch gerne gemacht und in unter einer Stunde mit dem Auto wurden wir sicher aber erschöpft am Bahnhof abgesetzt. Die nächste Station von dort aus war die Insel Penang die mehrere hundert Kilometer westlich von Ipoh liegt, also haben wir uns nach Zugfahrten erkundigt. Da in derselben Nacht kein Zug mehr gen Westen fährt, waren wir nun ohne Unterkunft, mitten in der Nacht in einer riesen Stadt und wussten nicht wirklich weiter. Bevor wir in den Truck gestiegen sind, hat Papa mir jedoch seine Handynummer gegeben und uns gesagt, dass wir ihn gerne anrufen könne, sollten wir Hilfe mit irgendetwas benötigen. Nachdem wir realisiert hatten, dass wir am Bahnhof festsitzen, haben wir uns dazu entschieden ihn anzurufen und ihn wiedermal um Hilfe zu beten. Ohne auch nur eine Frage zu stellen, hat er uns versichert, so schnell es geht zum Bahnhof zu kommen, um uns einzusammeln. Nach wenigen Minuten kam er dann mit seinem Motorrad angerast und hat uns gebeten ihm zu Folgen. Nach einer kurzen Fahrt auf den leeren Straßen Ipohs haben wir in einer eher netteren Nachbarschaft der Industrie Hochburg gehalten und Papa ist von seinem Moped abgestiegen und hat uns gebeten draußen auf ihn zu warten. Kurz danach kam er aus seinem Haus, das von vorne bis hinten mit sorgfältig ausgewählten Blüten verziert ist, und hat uns einen Schlüssel in die Hand gegeben. Ein wenig verwirrt haben wir ihn gefragt, was gerade passiert und er meinte das wir die Nacht über in seinem 2. Haus, nur wenige Meter entfernt von seinem Haupthaus verbringen können. Nachdem wir unsere Sachen und Räder in unserem Haus abgeladen haben und uns ein wenig umgeguckt hatten, haben wir uns zum Essen getroffen, wo Papa uns erzählt hat, dass er ein sehr erfolgreicher Investor und Trader ist, und sein Blumenbusiness nur zum Spaß nebenbei macht. Außerdem hat er uns erzählt, dass er alle Blumen aus Indien importiert und seien Frau diese bindet und anschließend Asien weit verkauft. Die Nacht in unserem eigenen Haus haben wir sehr genossen und am nächsten Morgen haben wir uns sehr dankbar von Ihm und seiner ganzen Familie verabschiedet.

 

Finde alle Teile dieser Reise hier:

Teil 1

Teil 2

 

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