Aus dem Leben · Sonstiges

Peter Freuchen – Der interessanteste Mann dieser Welt

Nachdem man einige Zeit in einem Land gelebt hat, darf man langsam ein wenig Stolz für seine neue Heimat aufbauen. Da ich in Dänemark fast alle Rechte eines Einheimischen habe, ist dies für mich jetzt der Fall. Da die Dänen eines der reichsten Länder der Welt sind und gleichzeitig von den Wikingern abstammen, gibt es dort einiges, worauf man stolz sein darf. Wenn man sich die Mythen und Legenden dieses Landes anguckt, kommt man an einer Geschichte nicht vorbei. Im Jahr 1886 schlug die Geburtsstunde einer der bemerkenswertesten Personen, auf die man im Bereich des Non-Fiction treffen kann. Am 20. Februar im Jahr 1886 erblickte ein gewisser Peter Freuchen die Welt und hat anschließend in 71 Jahren Lebenszeit eine Geschichte vorgelebt, vor der sich Autoren scheuen würden da sie als unglaubwürdig abgestempelt werden würde. Im unscheinbaren Nykøbing Falster ist der kräftig gewachsene Freuchen in guten Verhältnissen aufgewachsen und er hat sich schnell als besonders herausgestellt. Mit 18 Jahren hat es ihn in die Metropole Kopenhagen gezogen, um ein Medizinstudium zu beginnen. Dort hat es Ihn aber nicht lange gehalten. Mit gerade einmal 20 Jahren schließt er sich einer Polarexpedition mit unter anderem Alfred Wegner an (Wichtigste wissenschaftliche Errungenschaft ist die Beschreibung der Platentektonik, welche heutzutage als eine der Grundlagen der Geografie gilt) und findet in seiner Position als Polarforsscher und Meteorologe starkes gefallen. Nach 5 Jahren bringt es ihn zurück nach Dänemark, wo er Beschäftigung als Journalist gefunden hat. In dem einem Jahr, welches er in seiner Heimat in Dänemark verbracht hat, hat er, wie es sich für den interessantesten Mann der Welt gehört, aber schon weitere Pläne für ein unglaubliches Leben geschmiedet. Zusammen mit einem Freund, dem Dänen Knut Rasmussen hat er Pläne für einen Handelsstützpunkt in Grönland geschmiedet, um einen Hoheitsanspruch für die Insel zu bekommen und gleichzeitig mit günstiger importierter Ware das Leben der einheimischen grönländischen Bevölkerung besser zu machen. Im Jahr 1910 wurde dieser Plan in umgesetzt und um den neu gegründeten Handelsstützpunkt herum wurde die Stadt Thule gegründet, welche von Freuchen höchstpersönlich benannt wurde. In den kommenden Jahren heiratete er eine einheimische Grönländerin, bekam 2 Kinder und hat den Handelsstützpunkt Thule als Verwalter weiter aufgebaut. Noch bevor er 30 Jahre alt war, hat er sich mit seinem Freund Rasmussen auf eine eigene Polarexpedition gewagt, um Rasmussen zu beweisen, dass ein von Ihm vorausgesagter Fluss nicht existiert.

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Auf diese Expedition folgten 6 weitere Ausfahrten, welche jeweils mehrere Wochen bis Monate gedauert haben und den Zweck des kartografieren der Gegend nördlich des Polarzirkels hatten. Auf seiner letzten Fahrt ist er in einen Schneesturm geraten, in welchem er unter seinem Hundeschlitten Schutz gefunden hatte. Obwohl Freuchen komplett unter den Schneemassen begraben war, hat er sich nicht unterkriegen lassen. Angeblich hat er sich mithilfe von seinen gefrorenen Ausscheidungen einen Tunnel an die Oberfläche gegraben. In der Rettungsaktion sind ihm aber unglücklicherweise seine Zehen abgestorben, was ihn gezwungen hat, auf allen vieren zurück zur nächsten Station zu krabbeln. Dort angekommen, hat er sein Medizinstudiums-Wissen genutzt und sich seine Zehen höchstpersönlich und ohne Betäubung zu amputiert. Dies hat ihn im Jahr 1927 dann für weitere Polarexpeditionen untauglich gemacht, was ihn mit 41 Jahren dazu gebracht hat, den 2. und ebenso eindrucksvollen Teil seines Lebens zu beginnen.
Er hat angefangen über seine Reisen und seine Erfahrungen zu schreiben, Vorträge über Grönland zu halten und er hat sich auch am Film versucht. Wie es sich für den interessantesten Mann der Welt gehört, hat er in seinem selbstgeschriebenen Film “Eskimo” natürlich auch mitgespielt und anschließend einen Oskar gewonnen. In den folgenden Jahren hat er über 30 Bücher geschrieben, welche von Romanen in Alaska und Kanada bis zu wissenschaftlichen Publikationen reichen.

Im 2. Weltkrieg wurde er auf Dänemarks Seite gegen die Nazis als Sanitäter eingesetzt und da er selber ein Jude war, wurde er von den Nazis eingesperrt und zum Tode verurteilt. Wie es sich für den interessantesten Mann dieser Welt gehört ist er natürlich eigenhändig ausgebrochen und nach Schweden geflohen von wo aus er weiterhin Juden vor den Nationalsozialisten gerettet hat. Nachdem seine 2. Ehe mit einer Jugendfreundin in Dänemark nach 20 Jahren zerbrochen ist, heiratete er im darauffolgenden Jahr eine bekannte amerikanische Modeschöpferin, wessen Kreationen unter anderem auf dem Cover der Vogue zu sehen war. Um dem unglaublichen Leben des Freuchen noch die Kirsche aufzusetzen hat er es im Jahr 1956, als nur einer von 5 Menschen geschafft, in der Sendung “Die 64.000$ Frage”, 65 Fragen in Folge richtig zu beantworten, was ihn die Show gewinnen ließ. Ein Jahr später erlag er leider eines Herzinfektes, was ihn wahrscheinlich vom Gewinn eines Nobelpreises, des Pulitzer Preises und sämtlicher anderer Errungenschaften abgehalten hat. Selbst nach seinem Tod schafft er Dinge von denen Lebende nur träumen können. Im Jahr 1986 wurde ein Asteroid nach seinem Namen benannt.

Nach 71 Jahren hat ein Mann alleine, ein Œuvre hinterlassen, was sonst von noch niemandem geschafft wurde. Ein Mediziner, Polarforscher, Gründer eines Handelspostens in Grönland, ein Eskimo, Oskar Preisträger, 30-facher Autor, Schauspieler, historischer Spielshow Gewinner, ein gelungener Gefängnisausbruch aus Nazideutschland und 3 verschiedene Frauen aus drei Kulturkreisen in drei verschiedenen Ländern ist ein Lebenswerk, welches ihn ohne Frage den interessantesten Menschen dieser Welt macht.

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