Mit dem Rad durch Asien [Teil 5]

Alles fing an mit einer absurden Idee, die das Resultat von zu viel Langeweile und ein paar kalten Bier war. Warum nicht mal ein Land angucken, ohne von Turi-Bussen, Hotels, City-Guides und allem anderen Kommerz abhängig zu sein? Warum nicht einfach mal komplett selber entscheiden was man in einem Land sehen möchte und völlig unabhängig von anderen, seine Ziele und Wege aussuchen?

Genau das dachte ich mir auch und habe angefangen Lösungen zu finden. Zu Fuß? Zu langsam – eigenes Auto? Zu teuer – Trampen? Zu abhängig – Fahrrad? Perfekt!

Um auf dem Laufenden zu sein, empfehle ich die vorherigen Teile gelesen zu haben.

Sonnenaufgang über George Town

Auf Reisen muss man manchmal ein wenig gegen seinen inneren Schweinehund kämpfen, da die schönsten Dinge oft die am schwersten zu erreichenden sind. Nach besonderer Anstrengung werden diese aber umso schöner. Nach fast einem Monat auf Reisen, war es für uns endlich an der Zeit einen ganz besonderen Sonnenaufgang zu erleben. Direkt neben der historischen Kolonial-Stadt George Town liegt der Penang Hill. Mit 833 Metern Höhe und nur wenigen hundert Metern Luftlinie zum Indischen Ozean, mit der Stadt direkt zwischen Berg und Küste, war der Penang Hill der perfekte Ort für den ersten Sonnenaufgang der Reise. Nach einer sehr kurzen Nacht haben wir uns um kurz nach drei vom Fuß des Berges auf den Weg zum Gipfel gemacht. Auf Rat der einheimischen, haben wir die Fahrräder unten gelassen, da der Aufstiegt zu steil sei, was sich letztendlich als gute Entscheidung herausgestellt hat. Da vor Sonnenaufgang die Sicht stark eingeschränkt ist, sind wir auf der Straße nach oben gelaufen und der Aufstieg verlief einfacher als erwartet. Auf dem Weg nach oben haben wir viele Affen und Kröten getroffen und konnten die Vögel am ganzen Berg für uns singen hören.

Oben auf dem Berg hat uns eine Gruppe chinesischer Fotografen erwartet die mit uns dann mit Anspannung den Sonnenaufgang entgegengefiebert haben.

Auf dem Weg nach Langkawi

Nach diesem Erlebnis war es dann an der Zeit die Insel zu verlassen und weiter Richtung Norden zu reisen. Die Bootsfahrt in einem viel zu stark klimatisierten Katamaran haben wir schlafend verbracht. Auf Langkawi angekommen, haben wir uns erstmal ein Frühstück gegönnt und sind dann die 20 Kilometer zur anderen Seite der Insel geradelt. Da wir von der Couchsurfing-Erfahrung auf Penang sehr begeistert waren haben wir uns direkt wieder Couchsurfer gesucht, welche keines Wegs weniger gastfreundlich waren. Ammar, ein Jemenite der uns für die ersten 2 Tage ein zu Hause gegeben hat, ist ein digital Nomade der mit dem bauen von Apps und designen von Internetseiten sein Geld verdient. Vor einem halben Jahr war er selber als Rucksackreisender in Süd-Ost-Asien unterwegs, als er auf dem Weg von Malaysia nach Thailand war, hat er sich aber so sehr in die Insel verliebt, dass er sich dort jetzt eine kleine Hütte am Strand gemietet hat und nicht vorhat wieder zu gehen. In den 2 Tagen mit Ammar haben wir viel am Strand gelegen, Fußball mit den einheimischen am Strand gespielt und unser Lieblingsessen, Roti Canai gegessen.

Der Strand von Langkawi

Sonnenuntergang über dem Strand von Langkawi

Da Ammar aber wieder arbeiten musste, sind wir am dritten Tag zu einem weiteren Couchsurfer gefahren.
Der Aufenthalt bei „Paul“, wie er genannt werden wollte, war der mit Abstand aufregendste Couchsurfing besuch, den wir auf der Reise hatten. Wie immer sind wir ohne jegliche Erwartungen losgefahren. Als wir die Stadt verlassen hatten und nur noch Gated-Communitys und 20-stöckige Hoch-Sicherheits-Condos um uns herumstanden, waren wir uns erst sicher, dass wir die falsche Adresse bekommen haben. Als wir allerdings vor dem mitgeteilten Eingang standen und ein älterer Herr mit osteuropäischen Wurzeln mit einem großen Lächeln auf uns zu kam und er der bewaffneten Wache mitteilte uns hereinzulassen, konnten wir unser Glück kaum fassen. Wir haben unsere Räder in der Tiefgarage zwischen Porsche und Mercedes abgestellt und sind mit dem Aufzug, vorbei am privaten Fitnessstudio und am Pool bis in den 3. Stock, wo wir in ein geräumiges, schneeweißes Luxus-Apartment hereingelassen wurden.

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Nachdem wir unseren Gastgeber genauer kennengelernt haben, hat sich herausgestellt, dass er eine eher außergewöhnliche Karriere hinter sich hat.

Das Leben des Paul

Nachdem er in Albanien mit schmutziger Methodik sein erstes Geld verdient hat, ist er in die Elfenbeinküste ausgewandert, wo er als „Junge für alles“ in einer Gang ein wenig Reichtum angesammelt hat, ehe er weiter in den Nahen Osten gezogen ist. Mit ausreichend Geld in seiner Tasche hat er sein erstes Unternehmen gegründet, ohne aber anzugeben, was genau er dort gemacht oder verkauft hat. Als Ihm die Lage zu unstabil wurde, ist er nach ein paar Jahren in Indonesien nach Malaysia gekommen, wo er auf der Insel Langkawi nach Marktlücken gesucht hat. Ohne jegliche Erfahrung in der Gastronomie ist im aufgefallen, dass trotz Massen an amerikanischen Touristen noch kein mexikanisches Restaurant auf der Insel existiert, hat er einfach ein mexikanisches Restaurant gegründet. Da er sein Kapital nicht nutzlos herumliegen lassen wollte, hat er den einheimischen Jugendlichen Jet Skis und Surfboards gekauft die diese an Touristen verleihen um einen Lebensunterhalt zu verdienen. Als er bemerkt hat, dass seines Lieblings Bars nicht mehr attraktiv für andere Reisende sind, hat er einen Großteil der Bars auf der Insel gekauft, sie renoviert und lässt sie nun für minimale Miete von den einheimischen betreiben. Durch all diese großzügigen Gesten hat er auf der Insel einen Status erreicht, welcher ihm mehr Autorität als die Polizei oder die lokale Politik gibt. Wenn irgendwo auf der Insel ein Problem auftritt, ist er der erste, der Angerufen wird. In den drei Tagen bei Paul sind wir mit einem seiner Motorräder durch die Insel gefahren, sind mit Ihm in seinen Bars und Clubs feiern gegangen und wurden von Ihm in seine Restaurants eingeladen. Natürlich haben wir uns das Highlight der Insel, das Island-Hopping und eine Kajaktour, auch nicht entgehen lassen.

 

Nach drei Tagen purem Luxus, ging es dann nach einer anstrengenden Fahrrad-Tour durch das Hinterland der Insel weiter auf das thailändische Festland.

Zu den Vorherigen Teilen:

Teil eins

Teil zwei

Teil drei

Teil vier

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2 Gedanken zu “Mit dem Rad durch Asien [Teil 5]

  1. Pingback: Der Begeisterte

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