Wandern am Kebnekaise, nördlich des Polarzirkels

Der Kebnekaise ist der höchste Berg Schwedens. Obwohl er mit 2099 Metern weit von der Korpulenz der Alpen oder ähnlichem Gebirge entfernt ist, hat das Gebiet rund um den Kebnekaise seine ganz eigenen Geheimnisse und Besonderheiten. Ich habe den Kebnekaise bereits 2-mal bestiegen und jedes Mal gab es etwas Neues zu entdecken. Der Kebnekaise ist auf 2 verschiedenen Routen erreichbar. Einerseits gibt es die West-Route (Västra Leden – Kebnekaise) und auf der anderen die Ost-Route (Östra Leden – Kebnekaise). Die beiden Routen unterscheiden sich stark am Schwierigkeitsgrad und an der benötigten Kondition.

Die erste Kebnekaise Wanderung

Das erste Mal, im Jahr 2014, sind wir am ersten Tag um ca. 23:00 Uhr in Nikkaluokta, dem letzten Ort vor dem Gebirge, angekommen. Da die Sonne im Juli, nördlich des Polarzirkels nicht untergeht, haben wir uns gleich auf den Weg zur 19km weit entfernten Talstation (Kebnekaise fjällstation) gemacht. Nach der langen Zugfahrt, auf der wir geschlafen haben, waren wir voller Energie und haben die Strecke in guten 3:30 Stunden gemeistert. Wenn man sparsam mit seinem Gepäck ist und relativ gut zu Fuß ist, reicht es, wenn man 4 Stunden für den ersten Teil bis zur Talstation einplant.

Blick auf Tuolpagorni

Kebnekaise Gebiet mit Blick auf den Tuolpagorni

Der Pfad ist ausgetreten uns deswegen sehr gut sichtbar und jedes Mal, wenn der Boden uneben wird, wurden Holzpfade errichtet, um das gehen zu erleichtern.

Aufstieg zum Gipfel des Kebnekaise

Abseits der Talstation haben wir uns anschließend unser Zelt errichtet und für ein paar Stunden geschlafen. Früh am Morgen ging es schon gleich weiter auf den Gipfel des Kebnekaise. Um Zeit zu sparen, haben wir unsere Rucksäcke in einer Mulde von Findlingen versteckt und sind nur mit sehr lichtem Gepäck auf den Gipfel gestiegen. Da wir nicht das nötige Equipment für die Ost-Route mitgenommen hatten, waren wir auf die anstrengendere und weniger anspruchsvollere West-Route angewiesen. Für die ca. 10 Kilometer lange Strecke wird mit 5-7 Stunden kalkuliert, was nach den 20 Kilometern in der Nacht auch auf uns zutraf. Der Aufstieg führte entlang eines steilen Schneefangs, bis man am Fuß des Tuolpagorni gelangt. Ab hier geht es ca. 400 Höhenmeter an einer relativ steilen Geröllwand hinauf, ehe es wieder 300 Meter herab und dann wieder hinauf geht. Dieser Höhenverlust von 300 Metern macht die West-Route anstrengender als die Ost-Route, all dies ist aber ohne Equipment wie Eis Axt oder Klettersteigset möglich.

Der Gipfel des Kebnekaise bietet einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Täler. Durch die besondere Lage und die flachen Gebirge rund um den Kebnekaise, kann man bei gutem Wetter bis zu 10% vom schwedischen Hoheitsgebiet sehen.

Gipfel des Kebnekaise

Gipfel des Kebnekaise

Da der Rückweg vom Gipfel deutlich einfacher fiel als der Aufstieg, haben wir uns dazu entschieden, den vorgelagerten Tuolpagorni gleich mit zu besteigen, da wir am nächsten Tag in eine andere Richtung aufbrechen werden. Da wir auf halbem Weg nach oben ein Gewitter in der Ferne hören konnten, haben wir uns sehr beeilt und die 200 Höhenmeter auf unmarkierter Route in ca. 45 Minuten unter uns gelassen. Der Gipfel des Tuolpagorni bot einen einzigartigen Blick auf das Tal, welches wir die komplette Nacht lang durchquert hatten.

Nach wenigen Stunden haben wir es vom Gipfel des Tuolpagorni zurück zu unseren Rucksäcken geschafft und unser Zelt noch vor dem Gewitter aufbauen können. Da wir an diesem Tag fast 22 Stunden zu Fuß verbracht hatten, haben wir nicht mal ein Feuer gemacht, sondern haben gleich im Schlafsack gegessen und sind direkt eingeschlafen.

Die Eishöhle in Tarfala

Am nächsten Tag hatten wir etwas ganz Besonderes vor. Zusammen mit einem Guide der Talstation haben wir uns am frühen Morgen auf den Weg zu einer aufgebrochenen Eishöhle gemacht. Die Wanderung, zu der im Tarfala Tal gelegenen Höhle führte entlang von Gletscherflüssen und am Ende ging es einen ca. 400 hohen Gletscher mit Spikes unter den Sohlen hoch. Am Eingang der Höhle haben wir das erste Mal Rast gemacht und kurz danach haben wir das Innere der riesigen Höhle erkundet. Alles in allem war der Aufstieg nicht zu anstrengend. Die Fußhaltung, welche nötig ist um mit den Spikes einen guten Griff im Eis zu haben, wird nach wenigen Minuten aber sehr unangenehm und schmerzhaft.

Das innere der Eishöhle

Das Innere der Eishöhle

Nach dem Erkunden der Eishöhle lief uns die Zeit davon, da wir mit einem Helikopter zurück nach Nikkaluokta fliegen wollten, um das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft, in dem Deutschland gegen Argentinien spielte, nicht zu verpassen. Unser Guide kannte glücklicherweise eine Abkürzung, welche Ddank unserer Spikes an den Sohlen möglich wurde und wir haben es rechtzeitig zum Fußball gucken zurück geschafft.

Die zweite Kebnekaise Wanderung

Fast genau ein Jahr nach der Ersten Kebnekaise Wanderung haben wir uns wieder auf den Weg nach Lappland gemacht, um uns an der schwereren Ost-Route zu versuchen. Mit Klettersteigset, eigenen Seilen zum Sichern und ein wenig mehr Zeit sind wir wieder am Abend angekommen und sind die Nacht bis zur Talstation durchgelaufen. Nach einer kurzen Nacht haben wir uns am ersten Tag der 3-Tages Wanderung auf den Weg zum Gipfel des Kebnekaise gemacht.

Die Ost-Route zum Kebnekaise

Die Ost-Route ist zwar 3km kürzer als die West-Route, welche wir im vorherigen Jahr bestiegen haben, allerdings bedarf sie Kletterkenntnisse und ist nicht für Anfänger empfohlen. Nach anstrengenden ersten Höhenmetern wird der Anstieg schnell flacher und entwickelt sich zu einem Plateau mit leichtem aufstieg.

Die Letzte Steilwand zum Gipfel

Die letzte Steilwand zum Gipfel

Der Teil, der es in sich hat, sind die letzten 50 Höhenmeter, welche zum Fuß des Gipfels fehlen. Die Felswand, welche wir besteigen wollten, war zwar mit Stahlseilen ausgestattet, in die man sich einhängen konnte, da diese einen Abstand von ca. 5 bis 10 Metern zwischeneinander hatten, drohten bei einem Sturz aber immer noch verheerende Verletzungen.

Klettern an der Steilwand

Die Letzte Steilwand zum Gipfel

Vergleichsweise zügig haben wir es bis zum Gipfel geschafft und wiedermal war der Blick vom höchsten Punkt Schwedens absolut majestätische. Auf dem Rückweg haben wir uns wieder für die Ost-Route entschieden und diesesmal durch das hinabrutschen der Gletscher auf dem Hintern, richtig viel Zeit eingespart. Am frühen Abend waren wir zurück an der Talstation und haben uns einen wohlverdienten Gang in die Sauna gegönnt.

Die Eishöhe auf ein zweites

Am nächsten Morgen haben wir uns vorgenommen den Gletscher zur Eishöhle erneut zu besteigen, dieses Mal allerdings ohne Zeitdruck und ohne Guide. Die Woche zuvor wurde die Höhle angeblich von einem Guide das erste Mal der Saison aufgesucht und der Eingang war noch nicht aufgebrochen. Wir wollten aber trotzdem unser Glück versuchen. Im schlimmsten Fall können wir immer noch nahegelegene Berge besteigen und so den Tag genießen. Wir hatten keine Probleme uns an die Route des Guides vom letzten Jahr zu erinnern und haben es Dank perfektem Wetter schnell zur Eishöhle geschafft.

Eishöhle in Tarfala

Zu unserer Überraschung war die Höhle tatsächlich im laufe der letzten Woche aufgebrochen und wir konnten die Höhe wieder mal von innen erkunden. Durch andere Lichtverhältnisse und dünnerem Eis, leuchteten die Höhlenwände im inneren noch kräftiger in dunklem Blau und der blick hinaus aus der großen Höhlenöffnung war sehr imposant.

Da wir die Höhle schon vormittags erreicht hatten, haben wir uns nach der Höhle den nächst größten Berg in der Nähe der Höhle herausgesucht und haben diesen bestiegen. Um nochmal einen letzten Blick auf den Kebnekaise zu erhaschen, haben wir uns für den Nachbarsberg entschieden, welchen wir am Vortag von der Ost-Route aus sehen konnten. Vom Gipfel dieses Berges hatten wir einen perfekten Blick auf die 3 Tarfala Gletscher, welche uns den kompletten Weg über mit frischem Wasser versorgten. Gegen Abend sind wir nach einem steilen Abstieg zurück in der Talstation angekommen und haben gleich unser Zelt außerhalb der Talstation aufgeschlagen. Der Plan für den nächsten und damit letzten Tag im Kebnekaise-Gebiet, war das Erkunden eines Plateaus auf der anderen Seite der Talstation, da wir dieses Gebiet im vergangenen Jahr ausgelassen haben und es sehr ansprechend aussieht.

Das Plateau

Früh am Morgen des nächsten Tages haben wir unser Camp zusammengepackt und die Rucksäcke zwischen einer Gruppe Findlinge versteckt. Der Aufstieg war durch starke Bewachsung schwieriger als gedacht und wir haben uns unsere Arme und Waden durch die vielen Dornen komplett aufgeschlitzt. Über der Baumgrenze waren diese sorgen aber bis zum Rückweg verdrängt und wir konnten uns auf die Wiesen und Schneeflächen um uns herum konzentrieren. Das Plateau auf dem Gipfel bot einen großartigen Blick auf das Hinterland, hinter dem Kebnekaise und auf das Tal, welches zwischen der Talstation und Nikkaluokta liegt. Auf dem Weg hinab sind wir an Wasserfällen vorbeigekommen und wir haben versucht die Schneeflächen mit flachen und großen Steinen runter zu snowboarden, waren aber nur moderat erfolgreich.

Tuolpagorni and Kebnekaise

Blick auf Tuolpagorni und Kebnekaiser

Wasserfall

Wasserfall

Bouldern im Tal

Auf dem Hinweg zum Plateau sind uns riesige, gespaltene Findling aufgefallen, welche wir auf dem Rückweg dann versucht haben zu beklettern. Mit sehr unpassenden Kletterschuhen war dies eine Herausforderung, mache der Findlinge ließen sich aber trotzdem besteigen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nachdem wir unsere Rucksäcke wiedergefunden haben, haben wir uns auf den Weg zurück in die Talstation gemacht, von wo aus nur noch 19km entspannter Fußweg zur nächsten Busstation in Nikkaluokta vor uns lagen.

Das komplette Gebiet rund um den Kebnekaise ist perfekt für Familien und Anfänger geeignet, da es zu jeder Station eine leichte Route gibt (Ausgenommen die Eishöhle, welche nur für Sportliche und Abenteuerlustige zu empfehlen ist). Im Sommer bedarf es nur leichte Kleidung, da die Sonne ihre Arbeit macht und aus auch auf den Schneeflächen durch die Bewegung, warm genug ist. Bezüglich Wasser muss man sich in dem Gebiet keine Sorgen machen, da man ca. alle 30 Minuten seine Flaschen durch Quellströme oder geschmolzene Gletscherströme wieder auffüllen kann.

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